Notfallseelsorge

Von der Initiative zur Institution

Seelsorge in Notfällen ist so alt wie die Kirche selbst, denn die Sorge um den Menschen in Not galt immer schon als Aufgabe, derer sich kein Gläubiger entziehen soll. Die „Werke der Barmherzigkeit“ geben davon Zeugnis.

Der Auftrag zur Seelsorge in Notfällen hat sich jedoch im Lauf der Zeit immer mehr konkretisiert und spezialisiert. Säkulare Initiativen und Institutionen griffen das Anliegen verstärkt auf und prägten es auf ihre je eigene Weise.

Ein eindeutiges ‘Gründungsdatum’ der Notfallseelsorge in Deutschland lässt sich nicht benennen. Sie begann mit vielen Geschichten an vielen Orten – zum Beispiel wenn ein Pfarrer gleichzeitig in der Feuerwehr oder im Rettungsdienst verwurzelt war.

Erste konkrete Schritte hin zur heutigen Notfallseelsorge leitete man nach der Flutkatastrophe in Hamburg 1962 ein. Die beiden Volkskirchen veröffentlichten die Broschüre „Kirchliches Handeln bei Unglücksfällen und Katastrophen“. Aber die Zeit war noch nicht reif für die klare Ausprägung einer eigenen Notfallseelsorge; vielleicht auch, weil der Nachkriegsgeneration ein anderer Umgang mit seelischen Belastungen zugemutet bzw. abverlangt wurde.

In den 1980er und 90er Jahren folgten dann, unabhängig voneinander, mehre kirchliche Initiativen, die zur Gründung von Notfallseelsorgesystemen führten. Einige dieser Initiativen verstanden ihre Arbeit als grundpastorale Aufgabe der Gemeindeseelsorge, wohingegen andere sich klar als Kategorialseelsorge etablieren wollten. Beide Sichtweisen bestehen bis heute.

Aus der Gesellschaft heraus, aber auch seitens der Feuerwehren und Rettungsdienste, wurde den Kirchen fachliche Kompetenz und auch Zuständigkeit zugesprochen. Auch auf landeskirchlicher bzw. diözesaner Ebene wurden die Initiativen zur Notfallseelsorge zunehmend wahr- und ernstgenommen, systematisiert, strukturiert und durch offizielle kirchliche Beauftragungen vor Ort errichtet.

Ursprünglich wurde die Notfallseelsorge als selbstverständlicher Teil der Gemeindearbeit verstanden. Nach der Ausdünnung kirchlicher Strukturen und durch den gesellschaftlichen Wandel mussten Strukturen ausgebildet werden, die die Erreichbarkeit der Seelsorge und qualitative Standards gewährleisteten.

Ein wichtiger Schritt zur Konsolidierung auf Bundesebene waren die „Kasseler Thesen“, die 1997 einen ökumenischen Konsens im Verständnis der Notfallseelsorge festschrieben. Als Fortschreibung der „Kasseler Thesen“ verabschiedete die Konferenz Evangelische Notfallseelsorge am 12. September 2007 die so genannten „Hamburger Thesen“.

Seitens der evangelischen Kirche schlossen sich die landeskirchlichen Beauftragten zur „Konferenz Evangelische Notfallseelsorge (KEN)“ zusammen. Auf katholischer Seite treffen sich die Beauftragten zur „Konferenz der Beauftragten für die Notfallseelsorge in den (Erz)Diözesen Deutschlands“. Beide Gremien arbeiten selbstverständlich untereinander vernetzt.

Seit 1998 findet jährlich der „Bundeskongress Notfallseelsorge und Krisenintervention“ statt. Er hat sich als Forum für Fort- und Weiterbildung, für Austausch und Kontaktpflege fest etabliert.

Notfallseelsorge hat sich aus verschieden Strängen entwickelt, die sich bis heute nur locker zusammenfassen lassen. Diese sind auch heute noch stark vom Charisma ihrer Gründerpersönlichkeiten und Entstehungssituationen geprägt.

Manche Initiativen verstanden sich als eine Art verlängerter Arm der Gemeindeseelsorge und kümmerten sich hauptsächlich um direkt Betroffene und Hinterbliebene. Andere Initiativen haben ihr Augenmerk verstärkt auf die Sorge um Einsatzkräfte gerichtet. Daraus hat sich im Lauf der Zeit ein ganz eigener Bereich der Seelsorge in Notfällen herauskristallisiert, der unter dem Begriff „Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst“ firmiert.

Notfallseelsorge bewährt sich Tag für Tag. Ihre stille, zuverlässige Arbeit gerät in der Regel nur bei Großeinsätzen wie in Ramstein, Eschede, Emsdetten, Winnenden oder Duisburg ins Licht der Öffentlichkeit.

 
 
 
 
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